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Schwalbenwinkel - Nisthilfe für Rauchschwalben

Vorkommen

Schwalben sind Kulturfolger und auf die Nähe des Menschen angewiesen. Sie bauen ihre Nester unter Dach, an rauen Außenwänden (Mehlschwalbe) oder als Indoorbrüter in Ställen (Rauchschwalbe).

Rauchschwalben kommen konzentriert in Einzelgehöften von stark bäuerlich geprägten Dörfern vor. Sie bauen offene, schalenförmige Nester aus mit Speichel versehenen Lehmklümpchen, in die Grashalme und auch Tierhaare eingearbeitet sind. Die Nester werden meist im Deckenbereich in Innenräumen wie Stallungen und Scheunen auf/an jegliche Art von Mauerkanten, Vorsprüngen, Absätzen oder Holzbalken geklebt.

Gefährdung

In letzter Zeit haben sich die Konstruktionen der Ställe und Scheunen entscheidend geändert. Die aus Gründen des Tierschutzes begrüßenswerte Umstellung der Milchviehhaltung auf Offenstallhaltung kann sich zu einem Artenschutzproblem entwickeln. Es sind meist große Hallen mit glatten Wänden und Balken, an denen das Nistmaterial kaum haftet. Zudem bieten die meisten dieser Offenhaltungsställe keine zugluftgeschützten Nischen und Ecken, wie sie die Rauchschwalben für die Aufzucht ihrer Jungen benötigen.

Das Fehlen geeigneter Bauplätze für die Nester in diesen modernen Ställen trägt u.a. zu einem starken Rückgang der Rauchschwalbenpopulation bei. Sie stehen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Daher ist es besonders wichtig, den Rauchschwalben in modernen Offenhaltungsställen eine Nisthilfe zur Verfügung zu stellen, die ihnen einerseits den problemlosen Bau von Nestern ermöglicht und andererseits ihrem Nachwuchs ausreichend Schutz bietet.

Schwalbenwinkel

In Anlehnung an den bevorzugten Nistbereich der Rauchschwalben, einem Winkel oder Eck im Deckenbereich im Inneren von Gebäuden, ist die Idee für den Schwalbenwinkel entstanden.

Die Nisthilfe besteht aus einem Würfel dem zwei gegeneinander stehende Flächen entnommen sind. Die Bodenfläche mit ca. 175 cm² entspricht den Außenmassen eines schalenförmigen offenen Naturnestes. Der Deckenabstand zum Boden mit ca. 14 cm gewährleistet zum einen den Altvögeln den problemlosen Zugang zum Nest, zum anderen den Jungvögeln später das trainieren der Flügel vor den ersten Ausflügen. 

Der An- und Abflug der Vögel zum bzw. vom Nest wird zusätzlich dadurch erleichtert, dass die Bodenplatte gegenüber der Außenkontur des Quaders im Einflugbereich zurückversetzt ist.  

Bei genauer Betrachtung eines Naturnestes zeigt sich, dass für die Schwalben eine Bodenplatte, rein bautechnisch nicht zwingend erforderlich ist. Die Nester werden meist, abgestützt an den Seitenwänden in den Deckenbereich eines Raumes gehängt, bzw. direkt an eine raue Fläche geklebt.

Die Praxis zeigt jedoch in den überwiegenden Fällen wird die Bodenplatte des Schwalbenwinkels von Anbeginn konstruktiv als Basis in den Nestbau mit einbezogen.

Alle Teile des Schwalbenwinkels bestehen aus ungehobeltem Holz. Somit haftet auch das Nistmaterial besser. 

Zur Befestigung der Nisthilfe an einer Wand oder Decke können je nach Bedarf an den Außenseiten des Nestwinkels Befestigungsvorrichtungen – Winkel, Bügel, starre Pendel – angebracht werden.  Durch derartige Vorrichtungen kann die Nisthilfe frei, auch mit Abstand, an einer flachen Wand befestigt werden, sodass für die Vögel gefährliche Tiere, wie Katzen oder Marder, keine Möglichkeit haben zum Nest zu gelangen.

Der Schwalbenwinkel sollte bevorzugt im zugluftgeschützten Deckenbereich des Stalles mit der Offenseite vom Licht abgewandt ausgerichtet sein. Schwalben bevorzugen als Niststandort die dunklen Bereiche.

In den Fällen, in denen Schwalben in der näheren Umgebung nicht das geeignete Nistmaterial (Lehmpfützen) zur Verfügung steht, gibt es die Möglichkeit ein dem Schwalbenwinkel angepasste Nistschale zu integrieren.

Bezug und Beratung:  Klaus Janke likla.janke@gmx.de


Neue Apartments im Weiler Kirchturm

Christine Moser und Wolfgang Nitsche bauen für den BUND Naturschutz (BN) Kästen für Dohlen und Turmfalken in die Kirchtürme Weil und Penzing ein. Innerhalb kurzer Zeit sind die neuen Apartments in luftiger Höhe bereits alle besetzt. Inzwischen läuft die Brut bei den Dohlen und ein Falke ist im Penzinger Kirchturm eingezogen.

Christine Moser kann sich so richtig in Vögel hineinversetzen. Die versierte Hobby-Ornithologin hatte schon öfters beobachtet, wie am Weiler Kirchturm Dohlen um einen einzigen Brutplatz streiten. Dort ist seit einigen Jahren ein Nistkasten angebracht. Doch Dohlen treten immer in Gruppen auf und ein Kasten reicht also nicht. Auf der Mitgliederversammlung des BN traf sie den Pfarrer von Penzing und Weil Martin Rudolph - ein langjähriges Mitglied im BN. Dieser war sofort bereit die Kirchtürme in Weil und Penzing mit Christine Moser zu besichtigen. Und sie beschlossen was zu unternehmen. Nur wie in großer Höhe im Turm mit unebenen Wänden Kästen anbringen?

 

 

Wolfgang Nitsche, im BN aktiv als der Techniker für die Mäher, war sofort bereit. Und so stiegen Mitte März bei Eiseskälte Nitsche und Moser einen ganzen Vormittag lang 110 Stufen den Turm hinauf und brachten das Material für weitere Dohlenkästen und einen Turmfalkenkasten nach oben. Das Material musste dann noch per Seil bis in den Bereich der Turmuhr gebracht werden. Christine Moser: „Die vorgefertigten Kästen passten gerade durch das Loch an der Sicherheitsleiter. Wolfgang hat alles genau überlegt.“

Wolfgang Nitsche: „Es ist schwierig in einem Kirchturm auf einer Leiter stehend, wo alles zudem krumm ist und auch nicht jeder Dübel gleich hält, Kästen anzubringen. Daher habe ich lange getüftelt und dann spezielle Anschlussrahmen vorbereitet, an denen die Kästen leicht befestigt werden konnten. Insgesamt waren wir dann 4 komplette Tage bis zur Dunkelheit beschäftigt um alles raufzutragen, zu montieren und dann das ganze Werkzeug wieder runter zu tragen.“

Naturschutz ganz oben

Christine Moser: „Dohlen sind zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber in Bayern inzwischen schon auf der Vorwarnliste zur roten Liste. Denn in vielen Kirchen werden alle Öffnungen mit Taubengitter und -netze verschlossen. Dohlen finden dann keine Brutmöglichkeiten mehr in großer Höhe. Den Turmfalken geht es genauso. Aber Pfarrer Rudolph und die Kirchenpfleger Gottfried Schiessling und Bernhard Bachmeir waren sofort offen für eine Abhilfe mit vielen Kästen im Weiler und Penzinger Kirchturm. Pfarrer Rudolph freut sich nun sehr, dass in seinen Kirchen ein Beitrag für den Artenschutz geleistet werden kann.

Es sind nun im Weiler Kirchturm acht Nistplätze für Dohlen und eine Turmfalken-Nistkasten vorhanden und schon alle belegt. In Penzing können nun 2 Dohlenpaare und ein Falkenpaar den Ausblick aus dem Kirchturm genießen. Beide kästen sind nun besetzt und die Brut läuft.

Peter Satzger ergänzt: „Ich war beeindruckt, mit welcher Präzision die beiden alles vorbereitet haben und dann bei diesen Temperaturen alles Hand in Hand ging. Dass inzwischen alle Apartments belegt sind, freut uns alle riesig. es wäre ein weiterer Schritt für den Artenschutz, wenn sich das rumspricht und wir solche Aktionen wiederholen können. Die Beiden sind gerne bereit, weitere Nistkästen in Kirchtürmen oder in hohe Gebäude zu bauen.“


neues Domizil für Wiesenbrüter am Windachspeicher

Obermühlhausen: Im Februar dieses Jahres war schweres Gerät auf den Feuchtwiesen südlich des Windachspeichers in Richtung Obermühlhausen zu beobachten. Ein Bagger und ein Muldenkipper waren zwei Wochen im Einsatz, um auf der Maßnahmenfläche von ca. 4.000 m² flache Feuchtmulden mit offenem Boden anzulegen.

Mit den Geländemodellierungen sollen die Feuchtwiesen für Wiesenbrüter attraktiver gestaltet werden.

Das Projekt geht auf das Maßnahmenkonzept des BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Landsberg am Lech, zurück. Wir und die Untere Naturschutzbehörde (uNB) des Landratsamtes Landsberg am Lech und das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim haben sich daraufhin zusammengeschlossen und gemeinsam das Projekt „Wiesenbrüter Windachspeicher“ ins Leben gerufen.

Besonders im Fokus des Projekts steht der stark gefährdete Kiebitz. Je nach Witterung kehren die Kiebitze ab Mitte Februar aus ihren Winterquartieren im Süden zurück. Auf den Kiebitz üben offene Bodenstellen eine hohe Anziehungskraft aus. Neben Äckern sind extensiv genutzte Wiesen mit niedriger Vegetation, Feuchtstellen und Brachestreifen als Brutplatz geeignet. Um die Strukturvielfalt und das Nahrungsangebot zu verbessern, wurden auf den Wiesen südlich des Windachspeichers nun drei flache Feuchtmulden, sogenannte Seigen, mit offenem Boden angelegt. Besonders die Jungvögel sind auf feuchte, weiche und offene Böden zur Nahrungssuche angewiesen. Bei der Gestaltung wurde auf eine lange Uferlinie und flache Böschungsneigungen geachtet, um eine möglichst großflächige Wechselwasserzone zu erzielen. Die flachen Böschungen ermöglichen die Bewirtschaftung der Seigen im Rahmen der jährlichen Mahd. Auf der Maßnahmenfläche wurden zudem Altgrasstreifen belassen, in denen die Jungvögel Zuflucht vor Feinden wie Fuchs oder Greifvögeln finden können.

Die Anlage der Seigen wurde durch das WWA Weilheim als Ökokontomaßnahme umgesetzt und durch die Naturschutzverbände BN und LBV sowie durch die UNB Landsberg am Lech fachlich begleitet. Zum Einsatz kam ein spezieller Muldenkipper mit extra breiter Bereifung, um auf den weichen Feuchtwiesen keine Flurschäden zu verursachen.

Nun blicken die Projektbeteiligten gespannt auf die Wiesenbrütersaison 2022.

Ganz wichtig für den Erfolg ist nun die Mithilfe der Bevölkerung. Christine Moser vom BUND Naturschutz: „Die Wiesenbrüter wie die Kiebitze sind sehr störungsempfindlich. Nur wenn alle Wanderer Rücksicht nehmen und das Gebiet weiträumig meiden, dann haben die Kiebitze eine Chance.“ Die untere Naturschutzbehörde (uNB) hat daher mit Unterstützung des BN Schilder, die den Bereich mit Betretungsverbot kennzeichnen, angebracht. Rainer Fuß von der uNB erläutert: „Wir bitten die Bevölkerung dringend den Verbotsbereich einzuhalten und auch an den Wegen am Rande die Hunde anzuleinen. Diese Mithilfe der Bevölkerung ist der entscheidende Schritt um den Wiesenbrütern eine störungsfreie Aufzucht zu ermöglichen. Ab August darf man dann - wenn gemäht ist – wieder in die Fläche.“

Frau Full vom WWA Weilheim ergänzt: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass mit dieser Zusammenarbeit ein wichtiges und vor allem störungsfreies Refugium für die stark gefährdeten Kiebitze entstehen wird. Die ebenfalls stark gefährdeten Bekassinen wurden nämlich schon in der Fläche gesichtet.“