Biotope um Kaufering

Nachfolgend werden die wichtigsten vier Biotope im Gebiet von Kaufering vorgestellt. Hurlacher Heide, Terrassenhang und Gleisdreieck werden jährlich von der Kauferinger Ortsgruppe des BN gepflegt.

Die Hurlacher Heide - das Juwel nördlich von Kaufering

Einer der wertvollsten Restflächen der ehemals großflächigen Lechheiden zwischen Landsberg und Augsburg ist die „Hurlacher Heide" an der Lechstaustufe 18. Grundeigentümer ist die Markgemeinde Kaufering. Auf diesem Magerwiesenbestand lebt eine ungewöhnlich artenreiche Pflanzen- und Tierwelt, darunter 16 verschiedene Orchideen. Besonders vielfältig ist auch das Vorkommen von Insekten mit seltenen Heuschrecken und Tagfaltern. Die Hurlacher Heide ist ein wichtiger Pfeiler der „Florenbrücke Lechtal" zwischen den Alpen und dem Jura. Besonders bei Orchideenfreunden ist dieser Biotop weit über den Landkreis Landsberg hinaus bekannt. Um Beeinträchtigungen durch die Besucher zu minimieren, gilt seit 2007 vom 1. Mai bis 31. Juli ein Wegegebot. Früher wurden die Lechheideflächen von Wanderschafen beweidet. Heute kümmert sich der Bund Naturschutz und die untere Naturschutzbehörde um die Pflegemaßnahmen. Ohne das herbstliche Abmähen und Abfahren des Mähguts würde die Hurlacher Heide verbuschen und dann schnell ihren Wert als Kleinod unserer heimischen Natur am Lech verlieren.

Sumpfgladiole
und Orchideen
in der Hurlacher Heide

Der Terassenhang

Der Terrassenhang im Herbst

Auf dem Lechfeld entstanden durch das Wechselspiel der Ablagerungs- und Abtragungsvorgänge des spät- und nacheiszeitlichen Lechs die Terrassenhänge wie diejenige westlich des Stausees der Stufe 18. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts befand sich der Terrassenhang inmitten ausgedehnter, von Schafen beweideter oder gemähter Lechheiden und war selbst mit einer artenreichen Heidevegetation bedeckt. Seither wird jedoch das Umfeld landwirtschaftlich intensiv genutzt. Durch den Nährstoffeintrag aus den angrenzenden Äckern wurde der Terrassenhang aufgedüngt, so dass sich in die artenreichen Magerrasen auch Pflanzenarten der Wirtschaftswiesen eingestellt haben. Aber im Frühling ist der Hang immer noch übersät mit Frühlingsschlüsselblumen und im Hochsommer mit den weißen Blüten der Ästigen Graslilie. Im Rahmen des Projekts „Lebensraum Lechtal" hat der Markt Kaufering von Landwirten den Hang und einen Puffersteifen am Hangfuß erworben. Der Pufferstreifen wird der Entwicklung zu Magerrasen überlassen. Etwa 25 Jahre lang wurde der Hang vom Bund Naturschutz jährlich gemäht und das Mähgut abgefahren. 2008 hat der Markt Kaufering die Mäharbeiten übernommen. Das Abräumen des Mähguts besorgt weiterhin der BN.

 

Gleisdreieck

Das Gleisdreieck südlich von Kaufering

Nicht mehr genutzte Bahnflächen sind Lebensräume aus zweiter Hand. Oft sichern sie einer spezifischen, artenreichen Vegetation das Überleben, so wie das Gleisdreieck im Winkel der Bahnlinien Kaufering-München und Kaufering-Landsberg: Es entstand durch die Materialentnahme für den Eisenbahnbau. Grundeigentümer ist die Deutsche Bahn AG. Auch diese Fläche hat sich zu einem Refugium der ehemals weit verbreiteten Lechheiden entwickelt. Besonders attraktiv für Naturfreunde ist der Frühjahrsaspekt, wenn Küchenschelle, Frühlingsenzian, Stengelloser Enzian und Kleines Knabenkraut blühen. Das Gleisdreieck ist auch immer wieder Ziel für botanische Führungen der Ortsgruppe Kaufering, die dieses Biotop pflegt.

Stengelloser Enzian
Frühlingsenzian

Die Kauferinger Lechleite

Das Lechtal wird am östlichen Flussufer von der Lechleite begleitet. Das ist der 30 bis 40 Meter hohe landschaftsprägende Steilhang, den der nacheiszeitliche Lech bei seiner  Verlagerung nach Osten aus den Altmoränen der Landsberger Platte heraus erodierte. Südlich von Alt-Kaufering ist die Hangerosion noch in vollem Gange. Die wegen ihrer Steilheit forstlich kaum nutzbare Leite trägt einen naturnahen alten Laubmischwald mit auffallend viel Rotbuche, Eiche und Hainbuche. Die Altbäume mit ihrem hohen Totholzanteil sind Lebensraum für Insekten und Höhlenbrüter. Felsen aus  Nagelfluh und Quellaustritte mit Kalktuffbildungen bereichern die Biotopstruktur des Steilhangs. An der Tuffbildung maßgeblich beteiligt ist das „Quellmoos“ Palustriella commutata. Die Bodenvegetation setzt sich hauptsächlich aus Geophyten zusammen, deren jährlicher Entwicklungszyklus im Frühjahr vor dem vollen Blattaustrieb der Bäume seinen Höhepunkt hat. Typische Vertreter sind Frühlingsknotenblume, Leberblümchen, Schlüsselblume, Buschwindröschen, Stinkender Hainsalat, Türkenbund, Salomonssiegel, Haselwurz und Aronstab. Wegen ihrer hohen Wertigkeit für den Naturhaushalt wurde die Lechleite in die FFH-Vorschlagsliste Bayern aufgenommen. Ein kleiner Ausschnitt der Lechleite mit den Tuffrinnen bei der Kapelle St. Leonhard ist als Naturdenkmal geschützt.  

Walter Meier, OG Kaufering, Juni 2009, Mai 2010