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Massive Abholzungen durch das Staatsgut Achselschwang

Missachtung des Volksbegehrens für Artenvielfalt

Das Staatsgut Achselschwang zerstört ein Feuchtbiotop, Waldränder auf mehr als 500 Meter in Westerschondorf und Hecken an der Schweinach bei Achselschwang. Der BUND Naturschutz fordert Kompensation und zukünftig gesetzeskonformes Wirtschaften nach dem Gesetz zum Artenschutz

Nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung hat sich die Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) von den massiven Umweltzerstörungen durch das staatliche Versuchsgut Achselschwang vor Ort ein Bild gemacht. Stellvertretender Vorsitzender Peter Satzger: „Ich bin entsetzt, wie das Staatsgut trotz der neuen Gesetzeslage nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ diesen Winter Lebensraum für die Artenvielfalt zerstört hat. Das schlimmste Beispiel ist die komplette Fällung von rund 40 gesunden Weiden in einem Feuchtbiotop nördlich von Westerschondorf.“

Durch den Vergleich mit Luftbildern haben wir festgestellt, dass ein erheblicher Teil der Waldränder nördlich Westerschondorf schon die letzten Jahre gerodet und die Flächen offensichtlich in 2020 mit Gras angesät wurden - Monotonie statt wertvoller Waldrand für den Artenschutz.  Natürlich dehnt sich der Wald auf die angrenzenden Flächen aus, was die   landwirtschaftliche Fläche mindert.  Viele Landwirte lassen den Wald aber trotzdem gewähren, denn sie schätzen die Artenvielfalt im Waldsaum. Für ein staatliches Versuchsgut sollte die Zerstörung des Waldrandes ebenso tabu sein.

Ehemals große Bereiche mit Schlehen sind nun verschwunden, in denen sich noch einige Reviere des Neuntöters befunden haben. Ob die Vögel, die die dornigen Büsche zum Brüten und als Nahrungsspeicher brauchen, wieder kommen, ist sehr fraglich.

Peter Satzger: „Das Staatsgut zerstört so den Lebensraum von Heckenbrütern wie den Neuntötern. Das ist das Gegenteil von vorbildlicher Landwirtschaft. Von einem staatlichen Versuchsgut sollte man aber genau diese erwarten können.“

Nördlich von Achselschwang wurden auf einer Gesamtlänge von rund 700 Metern an beiden Armen der Schweinach die Ufergebüsche und viele Uferbäume komplett entfernt. Auch die Jahre vorher wurde schon ein Teil der Gehölze entnommen. Damit fehlen den Vögeln nun Schutz- und Brutbereiche Nicht einmal Totholz als wichtiger Lebensraum für Insekten und Spechte wurde übriggelassen.

Peter Satzger: „Wir erwarten vom Staatsgut Achselschwang, dass die Zerstörungen umgehend - also noch 2021 - wieder kompensiert werden und zukünftig die Flächen vorbildlich im Sinne des vom Landtag beschlossenen Volksbegehrens bewirtschaftet werden. Hierzu muss auch das zerstörte Feuchtbiotop nördlich von Westerschondorf zum Ausgleich deutlich erweitert werden.  Die Waldränder um Westerschondorf sollten umgehend in diesem Jahr in Absprache mit den Waldbesitzern mit Schlehen und anderen passenden Sträuchern bepflanzt werden. Die Bewirtschaftung bis an die Baumwurzeln heran muss unbedingt sofort beendet werden. An der Schweinach sind auf der Ostseite der beiden Arme abschnittsweise wieder Bäume und Sträucher zu pflanzen.

Außerdem sollte das Staatsgut einen Plan entwickeln, wie es die Artenvielfalt auf seinen Flächen deutlich fördern und damit dem Anspruch einer vorbildlichen Bewirtschaftung gerecht werden kann. So könnte z.B.  der Schweinach wieder Raum zur Mäandrierung gegeben werden.

Der BN-Kreisvorsitzender Folkhart Glaser, ergänzt:

„Angesichts der überaus massiven Eingriffe müsste wegen der Zerstörung des Feuchtbiotops bei Westerschondorf und der Vernichtung der Hecken an der Schweinach vom Landratsamt gemäß §14 und §30 BNatSchG ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden.

Was für Umweltvergehen von Bürgern gilt, ist auch auf ein Staatsgut anzuwenden.“