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Petition "Intel kommt – regionale Lebensqualität geht"

Hier finden Sie Hintergrundinformationen zur geplanten Intel-Ansiedlung und den Folgen für unsere Region - vom Bund Naturschutz Landsberg zusammengestellt aus seriösen Pressequellen

Was plant Intel?

  • Es soll eine Mega-Halbleiterfabrik gebaut werden – mit einem Flächenbedarf von 500 Hektar, vergleichbar mit einer Fläche von ca. 700 Fußballfeldern, einem geschätzten Wasserbedarf pro Tag, vergleichbar mit dem täglichen Wasserverbrauch von ca. 1 Million Menschen und einem geschätzten Strombedarf pro Jahr von mehr als 300.000.000 kWh, vergleichbar mit der Hälfte des Jahresbedarfs des Landkreises Landsberg.
  • Dafür werden 12.000 hochspezialisierte Arbeitskräfte benötigt, d.h. das gut 3-fache der aktuellen Einwohnerzahl von Penzing. Diese Arbeitskräfte werden zum großen Teil international rekrutiert werden und nicht aus der Region Landsberg stammen.
  • Zudem werden mindestens 60.000 in der Zulieferindustrie beschäftigte Mitarbeiter* größtenteils von außerhalb zuziehen.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird diese Schreibweise verwendet. Natürlich sind alle Menschen hiermit angesprochen.

Quelle (tw.): Landsberger Tagblatt Oktober 2011

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Flächenverbrauch

Begonnen werden soll mit dem Bau von zwei Fertigungslinien. Im Endausbau, d.h. nach zehn Jahren, sind acht Fertigungslinien vorgesehen. Hierfür werden 500 Hektar benötigt, dies entspricht einer Fläche von rund 700 Fußballfeldern. Zum Vergleich: Penzing kommt auf rund 90 Hektar bebaute Fläche, das benachbarte Landsberg auf etwa 1.000 Hektar. Und das BMW-Werk in Dingolfing, Bayerns wahrscheinlich bekannteste Industrieanlage, umfasst 280 Hektar.
(Quelle: BR Mediathek, Süddeutsche Zeitung)

Der Flächenbedarf und die Flächenversiegelung sind somit enorm. Da auf dem Gelände des Fliegerhorstes Penzing nur rund 270 Hektar verfügbar sind, müssen 230 Hektar bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen aufgegeben werden. Diese Böden sind mit die fruchtbarsten Ackerböden im Landkreis Landsberg und in Bayern. Insbesondere speichern diese Böden das Wasser besonders gut und sind daher als Anbaufläche in Zeiten des Klimawandels unersetzbar.

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Verlust von besonders wertvollen Naturschutzflächen

Der Fliegerhorst Penzing ist an vielen Stellen stark mit alten wertvollen Bäumen und Büschen bewachsen. Neben den Landebahnen befinden sich sehr große Wiesenflächen (Extensivwiesen), die seit Jahrzehnten nicht mehr gedüngt wurden. 

Extensivwiesen in einer Flächen-Dimension wie auf dem Fliegerhorst sind  überregional und im Landsberger Raum extrem selten und wertvoll. Sie unterliegen nahezu vollständig als arten- und strukturreiches Dauergrünland dem gesetzlichen Schutz nach Art. 23 BayNatSchG, sie sind also „gesetzlich geschützte Biotope“.

Durch die Ansiedlung des Großkonzerns Intel werden diese wertvollen Rückzugsgebiete für die Tierwelt zerstört – die Artenvielfalt wird weiter zurückgehen und ein Teil des Mosaiks für Biotopbrücken wird entfallen.

Weitere Informationen zu Extensivwiesen

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Kosten

Jede Fertigungslinie soll zehn Milliarden Euro kosten. Insgesamt plant Intel Investitionen in Höhe von 80 Milliarden Euro für den Standort. Es wird erwartet, dass 30 bis 40 Prozent des Investitionsvolumens aus staatlichen Stellen bezuschusst werden. D.h. für die zwei Fertigungslinien in der ersten Ausbaustufe, für die Intel 20 Milliarden Euro investiert, würde der erwartete Zuschuss acht Milliarden betragen.
Quelle: Tageschau

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Wasserverbrauch

  • Die TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) verbraucht derzeit 150.000 Kubikmeter Wasser pro Tag.
    Quelle: Handelsblatt
  • Eine Infineon Fertigungslinie hatte in 2020 einen Wasserverbrauch von 12.560 Kubikmetern/Tag. Bei acht Fertigungslinien wären das 100.480 Kubikmeter pro Tag.
    Quelle: Infineon
  • Legt man für den täglichen Wasserverbrauch eines Menschen in Deutschland mit 128 Liter zugrunde, dann entspricht das dem täglichen Wasserverbrauch von knapp 800.000 bis 1 Million Menschen.
    Quelle: Destatis
  • In den Leitungen der Stadtwerke Landsberg fließen täglich 6.850 Kubikmeter Wasser zur Versorgung der 28.400 Landsberger Einwohner. D.h. das Doppelte dieser Wassermenge würde allein für die Versorgung einer einzigen Fertigungsline von Intel benötigt werden. Bei acht Fertigungslinien im Endausbau müsste die 15-fache Wassermenge, die bisher die Stadtwerke Landsberg bereitstellen, an Intel geliefert werden.
    Quelle: Stadtwerke Landsberg

Die Folgen des hohen Wasserbedarfes von Intel sind vielschichtig:

  • Da die Wasserversorgung hauptsächlich aus dem Grundwasser bedient werden muss, ist in heißen Sommern unweigerlich mit Wasserknappheit zu rechnen. 

  • Würde aus diesem Grund das Kühlwasser aus dem Lech entnommen werden, würde das unweigerlich zu einer deutlichen Erhöhung der Wassertemperatur führen. Dies würde in heißen Sommern noch mehr tote Fische und damit eine Veränderung der Artenzusammensetzung bedeuten.

  • Das Wasserschutzgebiet von Kaufering grenzt an das von Intel beanspruchte Gelände. Kaufering kann somit seine Wassergewinnung nicht mehr erweitern und damit die Versorgung seiner Bürger mit Wasser nicht mehr sicherstellen.

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Stromverbrauch

Halbleiterfabriken haben einen sehr hohen Strombedarf.

Nach Angaben von Infineon hatte eine Infineon Fertigungslinie im Jahr 2020 einen Strombedarf von mehr als 300.000.000 kWh, vergleichbar mit der Hälfte des Jahresbedarfs des Landkreises Landsberg.
Quellen: InfineonLandratsamt Landsberg

Sofern die 10H Regel für Windkraftanlagen in Bayern bleibt und die Stromautobahnen vom Norden in den Süden nicht realisiert werden, wird es mit Intel im Endausbau unausweichlich zu gewaltigen Strom-Engpässen kommen. Ohne einen sofortigen entscheidenden Ausbau von Wind- und Solarstrom ist die Versorgungssicherheit in der Region dann nicht mehr gewährleistet.

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Bevölkerungszuwachs

In einer Fertigungslinie sollen rund 1.500 Menschen arbeiten, davon über 90 Prozent mit Hochschulabschluss. Diese müssen international rekrutiert werden und werden über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen. In der ersten Ausbaustufe mit zwei Fertigungslinien werden 3.000 Personen bei Intel arbeiten, im Endausbau mit acht Fertigungslinien dann 12.000 Personen.

Wenn man annimmt, dass jeder Mitarbeiter im Schnitt in einem 2-Personenhaushalt lebt, werden somit 6.000 bzw. 24.000 Menschen allein durch Intel in die Region ziehen.
Quelle: Statista

Weiterhin werden pro Mitarbeiter fünf bis zehn weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen.
Quelle: FAZ

Somit werden sich anfangs bei zwei Fertigungslinien 15.000 bis 30.000 zusätzliche Menschen, später bei acht Fertigungslinien 60.000 bis 120.000 Menschen im Großraum Landsberg ansiedeln. Denn: Ein Großteil dieser Arbeitsplätze kann nicht durch Fachkräfte und Arbeitslose aus der Region besetzt werden, da in der Region Landsberg derzeit praktisch Vollbeschäftigung herrscht und Fachkräfte von den hier heimischen Unternehmen - viele von ihnen Mittelständler und Handwerksbetriebe - händeringend gesucht werden. Der bestehende Fachkräftemangel wird sich für die heimische Industrie durch die Intel-Ansiedelung noch weiter verschärfen, da Großkonzerne viel höhere Gehälter als der Mittelstand bezahlen.

Mehr Menschen bedeuten automatisch mehr Verkehr auf den Straßen. Schon heute sind die Kreisverkehre, z.B. an der Autobahnausfahrt Landsberg West, die A 96 und die B 17 zu Stoßzeiten überlastet. Die Verkehrsinfrastruktur der Region ist nicht auf die Ansiedlung einer komplett neuen Stadt ausgelegt.

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Folgen für Mieten, Immobilien und Flächenverbrauch

Dieser enorme Zuzug von Menschen erzeugt eine exponentiell steigende Nachfrage nach Wohnraum. Bau- und Mietpreise werden schnell und massiv steigen.

Zum Vergleich: Der Landkreis Landsberg hat bisher 120.000 Einwohner, die Stadt Landsberg hat aktuell 30.000 Einwohner. Landsberg ist heute schon die sechst schnellst wachsende Stadt in Deutschland.

Insbesondere für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur (Straßen, Kindergärten, Schulen, Sportstätten, etc.) und den Bau von Wohnungen werden noch erheblich mehr Flächen benötigt. Diese müssen zu dem von Intel verursachten Flächenverbrauch hinzugerechnet werden.

Zudem: Zum Aufbau der Infrastruktur müssen die betroffenen Gemeinden in Vorleistung gehen, ohne dass sie von der Ansiedlung profitieren. Einnahmen aus der Gewerbesteuer wird es erst viele Jahre später geben.

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Welche anderen Standorte stehen zur Wahl?

Neben Landsberg sind in Deutschland noch die Regionen rund um Dresden, Magdeburg, Brandenburg, Schweinfurt (bereits ausgeschieden) im Gespräch. Zudem bewerben sich weitere acht Standorte in der EU um die Intel-Ansiedlung.
Quelle: Tagesschau, HITRADIO RTL Sachsen, mdr

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Was fordern wir von den politisch Verantwortlichen?

  • Stadtrat Landsberg und Gemeinderat Penzing:
    • Ablehnung der Ansiedelung von Intel in der Region.
    • Entwicklung eines ökologischen Alternativkonzepts, das einheimischen Firmen eine Zukunft bietet und eine nachhaltige Entwicklung zum Ziel hat.
    • Ein Bekenntnis, dass wir an einer Wachstumsgrenze angelangt sind.
  • Staatsregierung: Aus dem selbstzerstörerischen Wettbewerb der Regionen aussteigen und Selbstbewusstsein gegenüber Großkonzernen zeigen.
  • Bundesregierung: Standortauswahl nach gesellschaftlichen, ökologischen und strukturpolitischen Kriterien treffen

Die Politik sollte folgende Fakten bei ihrer Entscheidungsfindung beachten:

  • Mit einer Bauzeit von vier Jahren und einer Anlaufzeit/Abschreibung von sechs Jahren (Beispiel Infineon Villach) ist frühestens nach zehn Jahren mit einer einträglichen Gewerbesteuer zu rechnen. Bis dahin muss die öffentliche Hand in Vorleistung gehen.
  • Viele internationale Firmen (und vor allem amerikanische Konzerne wie Intel) konstruieren entsprechende Firmenholdingstrukturen, die es ihnen ermöglichen, dort Steuern zu zahlen, wo die Steuersätze am niedrigsten sind und nicht dort, wo sie ansässig sind.
  • Ein Standort in Deutschland bedeutet nicht automatisch, dass Deutschland bevorzugt mit Chips beliefert wird.
  • Halbleiterexperten von McKinsey fordern, dass in Europa keine 4 Nanometer-Halbleiterfabriken (wie Intel es plant), sondern Chipfabriken für größere Strukturen gebaut werden, da nur solche Chips von der europäischen Industrie - wie etwa der Automobilindustrie - dringend benötigt werden: "Es sei zu teuer und zu wenig erfolgversprechend, die allermodernsten Produktionsverfahren in der EU aufzubauen, warnt die Beratungsgesellschaft in einer bislang unveröffentlichten Studie, die dem Handelsblatt vorliegt."
    Quelle: Handelsblatt
  • Der akute Chipmangel in Europa wird mit der Intel-Ansiedlung nicht behoben, da nach den Plänen der EU der Marktanteil von Europa erst in zehn Jahren von zehn auf zwanzig Prozent gesteigert werden soll.
  • Quelle: Tagesschau

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Was können Sie sonst noch tun?

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Berichte aus der Presse

Eine kleine Auswahl:

Landsberger Tagblatt: Leserbriefe
Quelle: Landsberger Tagblatt vom 18.12.2021

Landsberger Tagblatt: "Sind Intels Pläne rechtlich umsetzbar?"
Quelle: Landsberger Tagblatt vom 14.12.2021

Landsberger Tagblatt: "Warum die Chip-Fabrik in Penzing umstritten ist."
Quelle: Landsberger Tagblatt vom 14.12.2021

BR Mediathek: „Mega-Factory. Das Riesending von Penzing."
Quelle: BR Mediathek vom 22.11.2021

Kreisbote: "Umstrittene Intel-Ansiedlung in Penzing. Beispiel Hillsboro: Was bei uns anders ist"
Quelle: Kreisbote vom 17.11.2021

Kreisbote: „Zu groß für Penzing. Intel: Warum winkt keiner ab?"
Quelle: Kreisbote vom 04.11.2021

BN-Kreisgruppe Landsberg: „Bund Naturschutz sieht Intel-Ansiedlung kritisch."
Pressemeldung

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