Pflanzzeit Frühling - unbedingt auf torffreie Erde umstellen !!!

Torfabbau im Weilheimer Moos
Abtorfung in Deutschland
Abtorfung
maschinelle Abtorfung
Torfstechmaschine
Torfabbau im großen Stle
Torfabbau in Norddeutschland
Torfabbau im Balikum
Torfmaschine
Torffreie Erde
Torffreie Erde
Torffreie Erde

Bitte verzichten Sie im eigenen Garten auf die Verwendung von Torf und verwenden statt dessen Komposterde, damit unsere letzten Moore nicht weiter durch Torfabbau zerstört werden.

Was viele Menschen in großes Erstaunen versetzt, ist die Feststellung, dass in den meisten handelsüblichen "Gartenerden", "Blumenerden" etc. überwiegend bis ausschließlich Torf enthalten ist. Torf, der in Weilheim nach wie vor für Gartenbauzwecke abgebaut wird - wohl das letzte Gebiet in Bayern, wo das noch zugelassen ist. Dabei wird Torf als Bodenverbesserungsmittel häufig überschätzt. Er enthält wenig Nährstoffe und seine stark Wasser anziehende Kraft wirkt ungünstig auf das Wachstum von Pflanzen und Bodentieren. Kompost eignet sich zur Humus- und Nährstoffversorgung des Bodens wesentlich besser und beeinflusst den Wasserhaushalt günstiger.

Der Torfabbau hat eine lange Tradition. Während das Frästorfverfahren (Abschürfen größerer Flächen) eintönige Flächen hinterlässt, werden durch Abbau mit dem Bagger Feuchtflächen geschaffen, über die sich Wasservögel freuen. So oder so beeinträchtigen jedoch der Lärm und der Eingriff in den Wasserhaushalt die Moorkomplexe nachhaltig. In Weilheim zum Beispiel ist noch kein Ende des Abbaus in Sicht.

Moore sind ein Stück bayerischer Heimat, v.a. für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Beispielsweise ist das Weilheimer Moos nicht nur eine wildromantische Erlebnislandschaft, es gehört mit seinen Schmetterlingen und Heuschrecken zu den landesweit bedeutsamen Niedermooren. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind insgesamt 184 Moor-Standorte erfasst, das gehört zu den Spitzenwerten in Bayern und ist doch nur ein trauriger Rest: Moore wurden lange Zeit als Ödland angesehen und sie werden immer noch entwässert oder über Torfabbau ausgebeutet. So ist kaum mehr ein Moor im natürlichen Zustand erhalten. Die Gesamtfläche der Moore in Bayern ist von ursprünglich 200.000 ha auf etwa die Hälfte geschrumpft (Aus: LfU, 2004: Moorentwicklungskonzept Bayern. Foliensatz des Ref. 5/1 Moore).

Moore erfüllen auch weitere wichtige Funktionen: Als CO2-Senken tragen sie zum Klimaschutz bei. Moorflächen sind außerdem eine natürliche Wasserrückhaltung und damit wichtig für den Hochwasserschutz. Ein genaues Bild von dieser eindrucksvollen Leistung des Torfmooses (Sphagnum): Unter dem Mikroskop sind an den Stämmchen des Torfmooses kleine, flaschenförmige Zellen erkennbar, die als Wasserspeicher dienen. So vermag die Pflanze das 20- bis 25fache (!) seines Trockengewichts an Wasser zu speichern.

Aus ökologisch wertvollen Hochmooren stammender Torf bildet auch heute noch den Hauptbestandteil der meisten Erdprodukte, die im Fach- und Detailhandel erhältlich sind. Das sollte nicht sein, denn beim Torfabbau werden ganze Moorlandschaften zerstört und Kohlendioxid freigesetzt, das zum Klimawandel beiträgt. Zudem ist der Einsatz von Torf vollkommen unnötig, denn Ersatzprodukte sind heutzutage ebenbürtig.

Wer im Gartencenter vor den Gestellen mit Erden steht, hat die Qual der Wahl: Von Frühling bis Herbst stapeln sich dort palettenweise Säcke mit den unterschiedlichsten Garten- und Pflanzenerden. Die Vielfalt an Erdprodukten ist beeindruckend – von unterschiedlichen Anzucht- über Kakteen- bis zu Zimmerpflanzen-Erdmischungen. So unterschiedlich die Ansprüche sind, die diese Mischungen erfüllen sollen, so gemeinsam ist ihnen meist ein Inhaltsstoff: Torf.

Torf: fatal für Biodiversität und Klima

Torf besteht aus abgestorbenen Torfmoosen, den typischen Pflanzen eines Hochmoors. Wie ein Blick in die Säcke beim Gartencenter rasch zeigt, bestehen die meisten Erden zu 30 bis 90% aus Torf, auch wenn das auf den Packungen häufig nicht ersichtlich ist.

Fatal ist dies vor allem für Natur und Umwelt: Denn der Torfabbau zerstört die seltenen Lebensräume mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt  und bedroht  das Klima, was viele Leute nicht wissen.

Deutschland betreibt Raubbau im Baltikum… 

Der nach Deutschland importierte Torf stammt zum allergrössten Teil aus dem Baltikum. Damit beteiligt sich Deutschland massgeblich an der Zerstörung der schönen und ökologisch sehr wertvollen Moorlebensräume in Estland, Litauen und Lettland. Die Trockenlegung und der Abbau von Mooren führen auch zu veränderten Grundwasserbedingungen und begünstigen Überschwemmungen. Intakte Moore wirken wie Schwämme, die überschüssiges Wasser zurückhalten.

…schädigt dabei die Biodiversität und trägt zum Klimawandel bei

Beim Raubbau an den Mooren im Baltikum wird aber auch in grossen Mengen das Treibhausgas CO2 freigesetzt. Moore speichern weltweit doppelt so viel Kohlendioxid wie alle Wälder der Erde zusammen. Werden sie trockengelegt, wird das Jahrtausende lang im Torf gespeicherte Kohlendioxid in kurzer Zeit an die Atmosphäre abgegeben und trägt somit zum Klimawandel bei. Somit liefert jedes Balkonkistchen, das mit torfhaltiger Erde gefüllt wird, einen Beitrag zum Klimawandel.

Torffreie Erdprodukte sind ebenbürtig

Dass Torf und torfhaltige Erdprodukte auch heute noch unverzichtbare Produkte für den Garten sind, gehört ins Reich der Märchen. Alternativen zu Torf gibt es seit Jahren, und jede Saison kommen neue, weiter verbesserte Erdmischungen mit Torfersatzstoffen auf den Markt. Die werden in aufwändigen Versuchspflanzungen

Die Tipps in Kürze:
•Kaufen Sie ausschliesslich torffreie Erde mit der Bezeichnung «ohne Torf» oder «torffrei».
•Torffreie Produkte gibt es heute für nahezu alle Anwendungsbereiche. Falls nicht, wählen Sie eine torffreie Universalerde und beachten Sie die Düngeempfehlungen auf der Verpackung.
•Verzichten sie auf Pflanzenarten, die auf Torferde angewiesen sind, z.B. Azaleen und Rhododendren.
•Brauchen Sie frisch gekaufte Erde rasch auf und lagern Sie sie nicht zu lange.
•Achtung: Die Bezeichnung «Bio» ist keine Garantie dafür, dass es sich um ein torffreies Produkt handelt. Werfen Sie unbedingt einen Blick auf die Inhaltsstoffe.

 

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

LfU-Flyer zur Aktion "Gärtnern ohne Torf!" (Juni 2013)

Liste „Torffreie Pflanz- und Blumenerden“, Stand: Februar 2014

Zahlen zur Torfverwendung /Torfverschwendung (1 Seite)
 
"Erfolgreich gärtnern ohne Torf"   (03/2013)

"Torfersatzstoffe - Eigenschaften und Verwendung"   (04/2013)

Bericht über die Fachtagung April 2014

Torfzuwachs und Torfabbau

 

Aktuelles Beispiel von industriellem Torfabbau in Deutschland aus dem Landkreis Wiesmoor in Niedersachsen